Handbuch GUS

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Investitionsentscheidung von Unternehmen

Investitionen beeinflussen Unternehmen erheblich, weil eine langfristige Kapitalbindung nicht ohne Schwierigkeiten oder sogar Verlusten rückgängig gemacht werden können.

Investitionen in den mittel- und osteuropäischen Staaten lassen sich auf zwei entscheidende Gründe zurückzuführen, zum einen auf die Kostenfaktoren und zum anderen auf die Marktfaktoren:

  • Ausnutzung des niedrigeren Lohnniveaus um Waren aus den Investitionsstaaten zu exportieren, z. B. in der Textilienproduktion, die inzwischen hauptsächlich in sogenannten Niedriglohnländern ausgeführt wird.
  • Rohstoffe und Fertigprodukte günstig einzukaufen und eine Qualitätskontrolle durchzuführen, etwa im Bereich der Holz- und Möbelbranche in Südosteuropa häufig anzutreffen.
  • Sicherung der Rohstoffquellen z. B: bei der Ölförderung.
  • Kundennähe, z. B. ein Hersteller von Brauereianlagen, der im Investitionsland mehrere Kunden hat.
  • Erweiterung des eigenen Absatzgebietes oder Konzernumsatzes, anzutreffen z.B. bei Banken oder transportkostensensiblen Gütern aus der Baustoffindustrie
  • Aufbau von Repräsentanzen, um auf dem nationalen Markt präsent zu sein
  • Prestigegründe
  • aber auch nur die Marktforschungen, um festzustellen, ob sich Investitionen überhaupt lohnen.

Ob die Unternehmensziele erreicht, Renditeerwartungen erfüllt werden können, ist wegen der für den Investoren oftmals nur mangelhaft erfassbaren Faktoren eine schwere Entscheidung. Sowohl im Beschaffungs- und Personalbereich wie auch beim Absatz ergeben sich zahllose Unbekannte, die der Investor abschätzen muss. Neben der Frage, ob die notwendigen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe überhaupt geliefert werden können, müssen Lagerkapazitäten, ob ausreichend qualifiziertes Personal anzuwerben ist, welche Löhne bezahlt werden müssen, die Absetzbarkeit der Produkte und eventuelle Auswirkungen auf das Preisgefüge berücksichtigt werden.

In der Betriebswirtschaftslehre werden diverse Modelle diskutiert, die unter Berücksichtigung der finanziellen, technischen und absatzmäßigen Möglichkeiten ein optimales Investitionsprogramm ermitteln. Hierbei handelt es sich um die Bestimmung eines optimalen Investitionsprogramms unter Berücksichtigung der Abhängigkeit einzelner Funktionsbereiche. Diese Investitionsrechnungen sind im allgemeinen an der Gewinnmaximierung orientiert. Die vielfältige, mit unterschiedlichen Inhalten bedachte Größe "Gewinn" wird dabei in den Modellen zumeist als Differenz der diskontierten Auszahlungen über die diskontierten Einzahlungen errechnet (Barwert, Net Present Value).

Die verschiedenen Methoden reichen von einfachen Faustregeln bis hin zu theoretisch anspruchsvollen mathematischen Verfahren, von statischen zu dynamischen Ansätzen, von solchen, die unter Annahme von Sicherheiten ausgehen bis hin zu solchen, die die Unsicherheiten ausdrücklich mit einbeziehen. Je exakter ein Verfahren vom theoretischen Standpunkt aus ist, desto schwieriger erweist sich im allgemeinen seine Realisierung in der Praxis, da eine Qunatifizierung der exogenen Variablen kaum möglich ist. Abhängig vom  konkretisierten Unternehmensziel kommen verschiedene Methoden allein oder gemeinsam mit anderen Methoden der Investitionsrechnug zur Anwendung:

Das Kostenvergleichsverfahren versucht über einen Vergleich der Kosten von zwei oder mehreren Varianten mit identischen Leistungsmerkmalen diejenige zu bestimmen, die langfristig die geringsten Kosten verursacht.

Das Gewinnvergleichsverfahren erweitert den Kostenvergleich dadurch, dass nicht mehr von konstanten Absatzpreisen und - mengen und/oder einheitlicher Qualität der Leistung ausgegangen wird, sondern bei den einzelnen Investitionen der unterschiedliche Outputs in die Rechnung miteinbezogen.

Rentabilitätsvergleichsrechnungen vergleichen über einen längeren Zeitraum den zu erwartenden return of invest mit anderen Investitionen. In solchen Fällen wird der mögliche Gewinn in Relation zu dem Kapitaleinsatz gesetzt und so eine Verzinsung des Kapitals errechnet. Je höher die Verzinsung des eingesetzten Kapitals ist, desto vorteilhafter erscheint das Investment.

Bei der Amortisationsrechnung wird auch der Gewinn und die Kosten in Beziehung zueinander gesetzt und ermittelt, in welchem Zeitraum das investierte Kapital über Erlöse wieder in das Unternehmen zurückfließt.

Bei der Kapitalwertmethode wird der aktuelle Barwert einer Investition durch Abzinsungen der in Zukunft zu erwartenden Zahlungen ermittelt. Die Kapitalwertmethode und/oder Varianten hiervon sind heute in der Praxis der Unternehmensbewertung üblich.

Neben all diesen Methoden wird ein Investor stets das Risiko der Investition mitberücksichtigen. Diese Risiken können derart vielgestaltig sein und den Rahmen der einfachen Investitionsrechnung, so dass ich hierzu nur zwei Beispiele nennen will:

Politische Risiken:
1996, also kurz nach dem Abschluss des Dayton-Abkommens sollte ein Infrastrukturprojekt (Wasserversorgung) in Montenegro durchgeführt werden. Erhebliche Schwierigkeiten bei der Investition hatte das deutsche Unternehmen bei der Abrechnung, die sich aus der Nichtexistenz von Wasserzählern ergab, bei der Zahlungsfähigkeit der Kunden und bei dem ungelösten Kosovoproblem. Der Investor wäre wohl bereit gewesen, dass erhebliche Risiko auf sich zu nehmen, wenn er eine Absicherung durch eine Finanzinstitution bekommen hätte (z. B. durch die Weltbank Tochter MIGA oder eine Bundesgarantie für Kapitalanlagen im Ausland). Diese Institutionen lehnten jedoch jegliche Absicherung aus außenpolitischen Gründen ab.
Marktrisiken:
In einem anderen Beispiel ging es um den Erwerb einer Baustofffabrik in Georgien. Der Investor befürchtete neben erheblichen auch unbekannten Altschulden die das Unternehmen hatte, die Zahlungsfähigkeit der Kunden des Unternehmens. Hoffnungen auf einen Erfolg konnte er sich nur machen, wenn die geplante Pipeline von den Ölvorkommen am Kaspischen Meer durch Georgien verlaufen würde. In dem Zeitpunkt, in dem die Investitionsentscheidung getroffen werden musste, war diese Frage völlig ungeklärt, da die russische und die US-amerikanische Seite sich über den Verlauf nicht einigen konnten.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass bei Investitionsentscheidungen in den mittel- und osteuropäischen Staaten oftmals aber weniger die Rendite im Vordergrund steht, sondern zunächst einmal die Frage, ob ein Unternehmen sich in Zukunft überhaupt aus den eigenen Mitteln finanzieren kann.

Weiterhin wird der Frage, ob der mögliche Umsatz überhaupt das Mindestmaß erreicht, ab dem sich ein Einstieg in den jeweiligen nationalen Markt lohnt, besondere Bedeutung beigemessen.

Dies rührt daher, dass bedeutende Unternehmen davon ausgehen, dass in Mittel- und Osteuropa irgendwann einmal ein großer Markt entstehen wird. Beispielhaft sei hier der Buchmarkt genannt. In Polen oder der Tschechien ist die Bertelsmanngruppe bereits mit eigenen Verlagen tätig, weil die Bevölkerung in diesen Staaten ausreichend Einkommen hat, um Bücher zu kaufen und ein ordentliches Vertriebssystem über Buchhandlungen und Großhändler besteht. In Bulgarien oder Rumänien ist bislang - nach meiner Kenntnis - noch kein einziger westlicher Investor auf dem Buchmarkt tätig.

Ferner gilt es Positionen aufzubauen und sicher zu stellen, dass nicht ein Wettbewerber aufgrund früheren Markteintritts bereits eine feste Stellung hat, die dann - wenn sich eine Investition aufgrund der positiven Entwicklung in dem Staat rentieren würde, nicht mehr oder nur noch mit erheblich höheren Aufwand angegriffen werden kann.

Zwischenzusammenfassung:

  • Sofern man Investitionen und Gesellschaftsrecht in den mittel- und osteuropäischen Staaten in Zusammenhang betrachten will, ist es notwendig, auch die Transformation zu berücksichtigen.
  • Investitionen aus westlichen Staaten in den mittel- und osteuropäischen Staaten stellen eine langfristige Bindung des Kapitals der Unternehmen dar, die mit erheblichen Risiken behaftet sind. Aufgrund der möglichen Entwicklungschancen in diesen Staaten werden oftmals höhere Risiken eingegangen als bei Investitionen in den westlichen Staaten. Dabei haben die weiter entwickelten Staaten wie etwa die CEFTA-Staaten gegenüber anderen Staaten aber einen bedeutenden Vorsprung.
 
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